Programmarchiv Literaturhaus Rostock

26. Juni 2018 | 20:00 Bloomsbury Freshwater: Ein Abend für Virginia Woolf

Szenische Lesung aus Virginia Woolfs wiederentdecktem Theaterstück mit Tobias Schwartz und Studierenden der Universität Rostock [mehr]

So witzig wie in ihrer kaum bekannten Komödie »Freshwater« ist die große Autorin der Moderne sonst nie. Virginia Woolfs einziges Theaterstück handelt von einer viktorianischen Künstlerenklave in dem Küstenort Freshwater auf der Isle of Wight mit der Fotografie-Pionierin Julia Margaret Cameron, Woolfs exzentrischer Großtante, an der Spitze. Tobias Schwartz hat »Freshwater« ins Deutsche übersetzt und durch das von ihm verfasste Rahmenstück »Bloomsbury« ergänzt, das die legendäre Uraufführung von 1935 im Kreise der Bloomsbury-Gruppe wieder zum Leben erweckt. Gemeinsam mit Anglistik-Studierenden der Universität Rostock stellt Tobias Schwartz Woolfs Stück sowie sein Rahmenstück in szenischer Lesung vor, ergänzt durch einführende Erläuterungen und ein Nachgespräch. Tobias Schwartz, 1976 geboren in Osnabrück, ist Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer und lebt in Berlin. 2007 veröffentlichte er seinen Debüt-Roman »Film B«. Seine Theaterstücke wurden an verschiedenen deutschen Bühnen wie der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, dem Maxim Gorki Theater oder dem Potsdamer Hans Otto Theater uraufgeführt und gespielt. Als freier Autor schreibt er für verschiedene Zeitungen und Magazine und publizierte mehrere Artikel über Virginia Woolf. »Bloomsbury Freshwater« ist zusammen mit einem ebenfalls von ihm übersetzten Essay von Virginia Woolf und einem Nachwort von Klaus Reichert im AvivA Verlag erstmals als Buch erschienen.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Institut für Anglistik der Universität Rostock.

Eintritt: 5,- €/erm. 3,- €

23. Juni 2018 | 10:30 Auf den Spuren der Familie Mann

Literarischer Spaziergang mit Gerhard Weber | Treffpunkt: Kuhtor, Hinter der Mauer 2, 18055 Rostock [mehr]

Das Literaturhaus Rostock lädt ein zu einem literarischen Spaziergang »Auf den Spuren der Familie Mann« mit dem Fotografen und Archivar Gerhard Weber. Gerhard Weber sucht und findet die Geschichte(n) unserer Stadt in Archiven, Antiquariaten und in Gesprächen mit Zeitzeugen. Zuletzt veröffentlichte er den großartigen Text-Bild-Band »Kempowskis Rostock«. Doch nicht nur die Familie Kempowski, auch die Schriftstellerfamilie Mann hinterließ einige Zeugnisse in der Hansestadt. In den Archiven ist belegt, dass der Urururgroßvater von Heinrich und Thomas Mann, Siegmund Mann (1687-1772), im Jahr 1711 nach Rostock zog. Noch heute erzählen die von der Familie Mann gestifteten Kirchenfenster in St. Marien von einer einflussreichen Kaufmannsfamilie. Wandeln Sie auf den Spuren der Familie Mann, hören Sie interessante Anekdoten & allerhand Wissenswertes zur Stadtgeschichte, Architektur und Literatur in Rostock!

Teilnahmegebühr: 5,- €
Dauer: ca. 2 Stunden Weitere Termine am:
28. Juli 2018
18. August 2018
15. September 2018

21. Juni 2018 | 19:00 4. POETENCAMP M-V: Stipendiatenlesung im Brigitte-Reimann-Literaturhaus Neubrandenburg

Moderation: Isabelle Lehn und Bertram Reinecke Eintritt frei [mehr]

Sechs unter 30: Diese jungen Autor*innen kommen aus oder leben in M-V und haben sich für das 4. POETENCAMP des Landes qualifiziert: Paulina Fabian, Jasmin Güttner, Sebastian Martinköwitz, Jorinde Lea Miller, Hanna Pommerencke und Theresa Steigleder.

Vom 17. bis zum 22. Juni arbeiten sie als StipendiatInnen in Prillwitz bei Neubrandenburg an ihren eigenen Texten und einer gemeinsamen literarischen Produktion. Im Zentrum steht neben dem Schreiben der Austausch miteinander und mit den beiden Dozenten Isabelle Lehn und Bertram Reinecke, die neben Feedback auch Auskunft  über den literarischen Betrieb geben.

Das Finale des 4. POETENCAMPS M-V ist die öffentliche Lesung: Die sechs jungen Autor*innen präsentieren ihre Texte im Brigitte-Reimann-Literaturhaus in Neubrandenburg – eine großartige Gelegenheit, neue Talente zu entdecken! Brigitte-Reimann-Literaturhaus (Literaturzentrum Neubrandenburg), Gartenstraße 6, 17033 Neubrandenburg

18. Juni 2018 | 19:30 Jaroslav Rudiš: Preis der Literaturhäuser 2018

Werkschau, Lesung & Gespräch | Moderation: Ralph Kirsten (Literaturhaus Rostock/Radio LOHRO) | Filmvorführung: »Alois Nebel«[mehr]

Seine Bücher sind cool, witzig, kritisch, politisch, poetisch, widerständig, anti-bürgerlich, berührend – kurzum: Literarischer Rock’n’Roll! Und nichts weniger steckt in jedem neuen Projekt des diesjährigen Preisträgers der Literaturhäuser. Das weitgefasste Wort »Projekt« trifft es tatsächlich am besten, denn Jaroslav Rudiš bleibt nicht beim Buch stehen: Zu seinem Werk gehören Theaterstücke, Kino- und Fernsehfilme, Hörspiele und Essays – und nicht zuletzt die »Kafka Band«, in der er als Sprecher die Texte des großen deutsch-tschechischen Autors über krachendem Sound zu Gehör bringt. Folgerichtig erhielt Rudiš in diesem Jahr den mit 15.000 Euro dotierten Preis des Netzwerks der Literaturhäuser, der nicht nur Autoren, sondern auch und vor allem begeisternde Literaturvermittler auszeichnet. In einer Werkschau stellen wir zunächst das breite literarische Schaffen von Jaroslav Rudiš schlaglichtartig vor; dazu servieren wir mit jeder verkauften Karte 1 Flasche Pilsner Urquell. Warum? Als Rudiš das erste Mal nach Rostock reiste, tat er es noch als hauptberuflicher Biervertreter für ebenjene Marke. Folgerichtig kann man bei ihm auch keine Wasserglas-, sondern immer nur eine Bierglas-Lesung erwarten – diesmal auch aus einem bislang unveröffentlichten Text. Eintritt: 5,- €/erm. 3,- €
Ab 21 Uhr
Filmvorführung: »Alois Nebel«

In seinen Texten zeichnet Jaroslav Rudiš mit Ironie und feinem Gespür für die Alltagsängste der Menschen die Gesellschaft anhand von besonderen Typen, die häufig Opfer tragikomischer Ereignisse sind. Das gilt auf besondere Weise auch für den gleichnamigen Helden der Graphic Novel »Alois Nebel«. Der preisgekrönte Animationsfilm (2012) basiert auf einer dreiteiligen Graphic Novel von Jaroslav Rudis und Jaromir 99 und setzt sich so humorvoll und wie abgründig mit der deutsch-tschechischen Geschichte auseinander. Eintritt zur Filmvorführung frei

10. Juni 2018 | 10:00 Literarischer Spaziergang »Literaturstadt Rostock« - Teil 1: »Im Raume lesen wir die Zeit«

Führung mit Dr. Wolfgang Gabler | Treffpunkt: Kröpeliner Tor, 18055 Rostock [mehr]

Rostock beherbergt die älteste Universität Nordeuropas. Gern wird sie als »Leuchte des Nordens« bezeichnet. Sie wurde 1419 gegründet und sandte über die Jahrhunderte hinweg Signale aus, die viele Dichter erreichten. Vor 500 Jahren gehörte Ulrich von Hutten zu ihnen. Viele, die nach ihm kamen, waren einst kaum weniger berühmt, aber nur wenige sind in Erinnerung geblieben. Dennoch war die Universität nicht nur ein Hort der Schönen Literatur, sondern auch eine Institution, deren Mitglieder Literatur behinderten, aussortierten, gar verbrannten.

Damit symbolisiert allein dieses Gebäude die Gegensätze der Literaturgeschichte auf engstem Raum. Solche Spannungen sind Thema dieses Spaziergangs durch das literarische Rostock. In der Nördlichen Altstadt etwa stoßen wir auf ein seltsames Reiterdenkmal, das längst zu einer Art literarischem Wahrzeichen Rostocks wurde. Was es mit diesem Bronzeguss von Jo Jastram auf sich hat, wo Fritz Reuter in dieser Gegend andockte und warum das Kempowski-Ufer eine ziemlich heikle Ehrung darstellt, sind nur drei der reizvollen Fragen, die auf diesem Spaziergang aufgeworfen und – Schritt für Schritt –  beantwortet werden. Ein Projekt des Literaturhauses Rostock und der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. im Rahmen der Ausstellung „Rostock. Meine Geschichte“ anlässlich des 800. Jubiläums der Hansestadt Rostock.

Teilnahmegebühr: 5,- €
Treffpunkt: Kröpeliner Tor, 18055 Rostock
Die literarischen Spaziergänge durch die »Literaturstadt Rostock« basieren auf dem gleichnamigen Buch, erschienen bei edition a. b. fischer. Erhältlich ist das Buch direkt beim Verlag oder in einer Buchhandlung in Ihrer Nähe. 

05. Juni 2018 | 20:00 Hans Pleschinski: »Wiesenstein«

Ein großer Gerhart-Hauptmann-Roman | Moderation: Katrin Möller-Funck (Kempowski-Archiv Rostock)[mehr]

Die Beschäftigung mit Leben und Werk Gerhart Hauptmanns ist kompliziert. Der Nobelpreisträger war zwar der meistgelesene Autor seiner Zeit, sein Name ist hundertfach aus Stadtplänen geläufig, doch wer liest ihn außerhalb des Lehrplans heute? Werk und Leben Hauptmanns wieder in Erinnerung zu rufen ist deshalb das erklärte Ziel von Hans Pleschinskis neuem Roman »Wiesenstein«, wie der Autor im Rahmen seiner Lesung im Literaturhaus Rostock am 5. Juni 2018 betonte. Viele interessierte Gäste  hatten sich an diesem Abend im Möckelsaal des Peter-Weiss-Hauses versammelt. In »Wiesenstein« beschreibt Pleschinski die letzten Jahre Gerhart Hauptmanns. Er erzählt von dessen Flucht 1945 mitsamt Familie und Bediensteten aus dem zerstörten Dresden nach Schlesien und ihr Leben in der prachtvollen Villa Wiesenstein. In drei ausgewählten Lesestellen sowie im Gespräch mit Moderatorin Katrin Möller-Funck zeigte sich, wie detailliert der Autor die damaligen Ereignisse wiederzugeben versteht. Zur Vorbereitung seines Romans hatte Pleschinski weitreichende Recherchen zu Leben und Werk Hauptmanns angestellt. Jedoch legte er Wert darauf, dass es sich – auch wenn die Ereignisse nicht erfunden seien – bei »Wiesenstein« um einen Roman und kein Sachbuch handele. Ein wichtiger Aspekt des Romans und der gelesenen Passagen ist die Endphase des zweiten Weltkrieges und insbesondere die Flucht der deutschen Bevölkerung aus Schlesien. Eindringlich beschäftigt sich Pleschinski mit dem Verlust von Heimat. Er beschreibt das Leben der Hauptmanns in der Villa Wiesenstein als anfänglich idyllisch, als Paradies inmitten einer untergehenden Welt. Doch schließlich werden die Auswirkungen des Krieges auch hier und erst recht in der nahegelegenen Kleinstadt immer deutlicher spürbar. »Wiesenstein« ist ein Roman, der drei Dimensionen miteinander verbindet und gekonnt verzahnt. Er ist sowohl Biographie und umfangreiche Beschäftigung mit dem Gesamtwerk Gerhart Hauptmanns als auch ein Buch über die historischen Umbrüche am Ende des Krieges. Pleschinski betonte, wie wichtig es für ihn war, Texte Hauptmanns zum Teil wörtlich zitiert miteinzubringen, auch um die große deutschsprachige Literatur vor 1933 zu zelebrieren – man merkt Pleschinski und seinem Roman die jahrelange Beschäftigung und Faszination für diesen großen Autor des Naturalismus an. Angeregt dazu hatte Pleschinski übrigens die Arbeit am Vorgängerroman »Königsallee« über Thomas Mann. Unausweichlich bei der Auseinandersetzung mit Hauptmann kommt man auch auf sein Verhältnis zu den Nationalsozialisten. Anders als beispielsweise Thomas Mann ist Hauptmann (der 1933 bereits über 70 Jahre alt war) nicht emigriert, wurde von Teilen des NS-Regimes hofiert (auch wenn seine zerrissenen Helden nicht in die NS-Kulturpolitik passten) und pflegte Kontakt zu Größen des Staates. Weder im Roman noch bei der Lesung weicht Hans Pleschinski diesem Thema aus. Er bemüht sich um eine ausgewogene Betrachtung und Darstellung dieses Konflikts, betont aber auch, dass es abschließend nicht zu klären sei, inwieweit sich Hauptmann vereinnahmen ließ. Hans Pleschinski, geboren 1956, lebt als freier Autor in München. Er veröffentlichte u. a. die Romane „Leichtes Licht“ (C.H.Beck, 2005), „Ludwigshöhe“ (C.H.Beck, 2008) und „Königsallee“ (C.H.Beck, 62013), der ein Bestseller wurde, und gab die Briefe der Madame de Pompadour, eine Auswahl aus dem Tagebuch des Herzogs von Croÿ und die Lebenserinnerungen der Else Sohn-Rethel heraus. Zuletzt erhielt er u. a. den Hannelore-Greve-Literaturpreis (2006), den Nicolas-Born-Preis (2008) und wurde 2012 zum Chevalier des Arts et des Lettres der Republik Frankreich ernannt. 2014 erhielt er den Literaturpreis der Stadt München und den Niederrheinischen Literaturpreis. Hans Pleschinski ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Künste. Ein Rückblick von Wieland Göhler (Praktikant)

30. Mai 2018 | 19:30 »Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung. Was uns Marx heute zu sagen hat«

Ulrike Herrmann (taz-Wirtschaftskorrespondentin & Autorin) im Gespräch mit Christian Reinke (SPD)[mehr]

Karl Marx war einer der größten Ökonomen aller Zeiten. Obwohl in diesem Jahr sein 200 . Geburtstag gefeiert wird, gehört er noch immer zu den revolutionären Vordenkern. Denn er hat als Erster die Paradoxien des Kapitalismus richtig benannt: Warum gibt es Armut in einer reichen Gesellschaft? Warum führt ausgerechnet der Wettbewerb dazu, dass am Ende kein Wettbewerb mehr übrig bleibt, sondern Großkonzerne herrschen? Wieso reicht der Reichtum niemals aus, sondern entsteht Wert nur durch die permanente Verwertung? Die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann erklärt, warum Marx auch heute noch so aktuell ist, und diskutiert mit dem Rostocker Politiker Christian Reinke (SPD). Eine Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung MV in Kooperation mit dem Literaturhaus Rostock. Eintritt frei