Programmarchiv Literaturhaus Rostock

04. September 2018 | 19:00 »Erster Verlust«

nach Brigitte Reimanns früher Erzählung »Die Frau am Pranger« Filmvorführung & Gespräch [mehr]

Auch wir wollten im Brigitte-Reimann-Jahr 2018 an das Werk der Schriftstellerin erinnern - mit Film, Einführung und Gespräch. Leider war Erika Becker vom Literaturzentrum Neubrandenburg/Brigitte-Reimann-Literaturhaus, die den Abend initiiert hatte, kurzfristig erkrankt, sodass Ulrika Rinke (Programmleiterin, Literaturhaus Rostock) einsprang Nach ihrer biographischen Einordnung (bei der auch Brigitte Reimanns selbstkritische Bewertung ihres Frühwerks zur Sprache kam -) und einer kurzen Notiz zur Text war es dann auch schon so weit: Mit sechs Original-Filmrollen der DEFA und zwei Vorführgeräten wurde den Besucher*innen des vollbesetzten Möckelsaals ein besonders Filmerlebnis dargeboten. Über 100 Minuten erzählte »Erster Verlust«, angelehnt an die frühe Erzählung »Die Frau am Pranger«, die Geschichte einer jungen Bauersfrau, die sich 1942, während ihr Mann im Krieg ist, zu dem russichen Kriegsgefangenen Alexej hingezogen fühlt, der ihrem Hof als Zwangsarbeiter zugeteilt wurde.

In Reimanns Erzählung von 1956 - ihr erster literarischer Erfolg, der sie über die Landesgrenzen hinaus bekannt machte - steht die Emanzipation der jungen, geduckten Kathrin von Mann, Schwägerin und Dorfgesellschaft im Mittelpunkt. Zugleich findet in den vertrauten Gesprächen mit Alexej eine Art politischer Bewusstwerdung statt - im Sinne einer gesellschaftlichen Utopie, die der Autorin auch dann noch wichtig war, als die Wirklichkeit sie schon enttäuschte. Auf die Entdeckung des Verhältnisses zwischen der Deutschen und dem russischen Kriegsgefangenen folgen gesellschaftliche Ausschlussrituale und KZ, doch nach dem Krieg auch ein Neubeginn. Der in den späten 80er Jahren entstandene Film greift auf Motive der Erzählung zurück, geht jedoch sehr frei mit ihnen um - sowohl die Beziehung zwischen den beiden Frauen auf dem Hof als auch die zwischen Kathrin und ihrem Mann weichen deutlich von der literarischen Vorlage ab, während Alexej keineswegs dem Idealtypus des aufgeklärten Sowjetbürgers entspricht und eine eher jungenhaft zarte Figur ist, deren Innenleben unzugänglich bleibt. Dadurch verhandelt er die von Reimann aufgeworfenen Themen und Fragen auf anregende Weise neu. Die Zuschauer*innen waren von den starken Bildern gebannt - auch produktionsbedingte Schwierigkeiten mit der Tonspur minderten die Begeisterung augenscheinlich nicht. Wir danken dem Literaturzentrum Neubrandenburg und dem Landesverband Filmkommunikation M-V e.V. für diese besondere Kooperationsveranstaltung anlässlich des 85. Geburtstag von Brigitte Reimann.
Weitere Vorführungen: Rostock (Toitenwinkel), Carwitz, Greifswald, Brüssow und Sassnitz. Die Deutsche Kinemathek unterstützt die Tournee durch Bereitstellung der 35mm-Filmkopie von 1990.
DEFA 1990, 102 min. Buch und Regie: Maxim Dessau und Peter Badel; in den Hauptrollen: Jaecki Schwarz und Julia Jäger

26. August 2018 | 10:00 Spaziergang 2 - Literaturstadt in allen Belangen

Treffpunkt: Kröpeliner Tor | Dr. Sigurd Schmidt[mehr]

Literatur in Rostock ist viel mehr als nur das Schreiben von belletristischen Büchern. Die Literaturgeschichte der Stadt zeigt Rostock als Ort des Druckens, des Verlegens, des Archivierens, Bewahrens und des Sammelns von Literatur – und die Literaturstadt Rostock ist genauso das Gegenteil: ein Ort des Verhinderns, Verbietens, Kontrollierens, Zensierens von Literatur. Das Michaeliskloster gehört zu den ältesten Druckorten Deutschlands. Heute lagern hier die Sondersammlungen der Universitätsbibliothek, darunter seltene literarische Schätze wie Das Narrenschiff und Reineke Voss, aber auch die von Peter Linde(n)berg in lateinischer Sprache verfassten Rostocker Chronik von 1596. Dem Gebäude gegenüber befinden sich das Kempowski-Archiv und das Kloster zum Heiligen Kreuz. Sie sind als markante literarische Orte Rostocks wichtige Teile des kulturellen Gedächtnisses der Stadt.

Was der Rosengarten, die Große Stadtschule, die Wallanlagen, aber auch die Steintor-Vorstadt literarisch bieten, schlägt einen Bogen durch Jahrhunderte Rostocker Literaturgeschichte und steckt voller Überraschungen. Teilnahmegebühr: 5,-
Treffpunkt: Kröpeliner Tor
Die literarischen Spaziergänge durch die »Literaturstadt Rostock« basieren auf dem gleichnamigen Buch, erschienen bei edition a. b. fischer. Erhältlich ist das Buch direkt beim Verlag oder in einer Buchhandlung in Ihrer Nähe.

23. August 2018 | 20:15 Ein Rostocker schreibt Rüdiger Fuchs: »Gombroman« und »Kurzroman«

Eintritt: 7,- / erm. 5,-[mehr]

Im Jubiläumsjahr der Hansestadt erzählt der Rostocker Autor Rüdiger Fuchs seine persönliche Literaturgeschichte und stellt zwei seiner Werke näher vor, beginnend mit dem »Gombroman«. Die Begegnung mit dem Œuvre des polnischen Schriftstellers und Dramatikers Witold Gombrowicz (1904–1969) bedeutete für Fuchs Freude und Schrecken zugleich. Denn der weltberühmte Literat schrieb in einem Stil, den er selbst immer gesucht hatte. Anfänglich gelähmt, fühlte Fuchs sich bald zu einer Auseinandersetzung umso glühender angespornt. So entstand der »Gombroman«, sein bisher umfangreichstes Buch. »Liebe in digitalen Zeiten« heißt der Arbeitstitel seines neuen, noch unveröffentlichten Prosawerks, aus dem der Rostocker ebenfalls lesen wird. Als Ehrengast wird Rita Gombrowicz erwartet, die Witwe von Witold Gombrowicz. Rüdiger Fuchs lebt seit 1990 in Rostock. Er veröffentlichte bisher zwei Kinderbücher, ein Gedichtbändchen und neben dem »Gombroman« (2010) den Volksmarine-und Wende-Roman »Genosse Matrose! « (BS-Verlag, 2006). Von 1997 bis 2003 gab er in Rostock die literarische Zeitschrift »Der Charlatan« heraus. Im 2001 gemeinsam mit Holger Blauhut gegründeten Charlatan-Verlag erschienen insgesamt 14 Publikationen, darunter vier Ausgaben der mehrsprachigen »Gombrowicz-Blätter«. Seit Ende 2013 arbeitet Rüdiger Fuchs als Redakteur bei der Rostocker Straßenzeitung »Strohhalm«. Ort: Universitätsbuchhandlung Hugendubel, Kröpeliner Straße 41, 18055 Rostock Eine Veranstaltung des Literaturhauses Rostock in Kooperation mit der Universitätsbuchhandlung Hugendubel.

18. August 2018 | 10:30 Auf den Spuren der Familie Mann

Literarischer Spaziergang mit Gerhard Weber | Treffpunkt: Kuhtor, Hinter der Mauer 2, 18055 Rostock[mehr]

Das Literaturhaus Rostock lädt ein zu einem literarischen Spaziergang »Auf den Spuren der Familie Mann« mit dem Fotografen und Archivar Gerhard Weber. Gerhard Weber sucht und findet die Geschichte(n) unserer Stadt in Archiven, Antiquariaten und in Gesprächen mit Zeitzeugen. Zuletzt veröffentlichte er den großartigen Text-Bild-Band »Kempowskis Rostock«. Doch nicht nur die Familie Kempowski, auch die Schriftstellerfamilie Mann hinterließ einige Zeugnisse in der Hansestadt. In den Archiven ist belegt, dass der Urururgroßvater von Heinrich und Thomas Mann, Siegmund Mann (1687-1772), im Jahr 1711 nach Rostock zog. Noch heute erzählen die von der Familie Mann gestifteten Kirchenfenster in St. Marien von einer einflussreichen Kaufmannsfamilie. Wandeln Sie auf den Spuren der Familie Mann, hören Sie interessante Anekdoten & allerhand Wissenswertes zur Stadtgeschichte, Architektur und Literatur in Rostock! Ein weiterer Termin findet statt am 15. September 2018 Teilnahmegebühr: 5,- €
Dauer: ca. 2 Stunden

29. Juli 2018 | 10:00 Spaziergang 2 – Literaturstadt in allen Belangen

Treffpunkt: Kröpeliner Tor | Dr. Sigurd Schmidt[mehr]

Literatur in Rostock ist viel mehr als nur das Schreiben von belletristischen Büchern. Die Literaturgeschichte der Stadt zeigt Rostock als Ort des Druckens, des Verlegens, des Archivierens, Bewahrens und des Sammelns von Literatur – und die Literaturstadt Rostock ist genauso das Gegenteil: ein Ort des Verhinderns, Verbietens, Kontrollierens, Zensierens von Literatur. Das Michaeliskloster gehört zu den ältesten Druckorten Deutschlands. Heute lagern hier die Sondersammlungen der Universitätsbibliothek, darunter seltene literarische Schätze wie Das Narrenschiff und Reineke Voss, aber auch die von Peter Linde(n)berg in lateinischer Sprache verfassten Rostocker Chronik von 1596. Dem Gebäude gegenüber befinden sich das Kempowski-Archiv und das Kloster zum Heiligen Kreuz. Sie sind als markante literarische Orte Rostocks wichtige Teile des kulturellen Gedächtnisses der Stadt.

Was der Rosengarten, die Große Stadtschule, die Wallanlagen, aber auch die Steintor-Vorstadt literarisch bieten, schlägt einen Bogen durch Jahrhunderte Rostocker Literaturgeschichte und steckt voller Überraschungen. Teilnahmegebühr: 5,-
Treffpunkt: Kröpeliner Tor
Die literarischen Spaziergänge durch die »Literaturstadt Rostock« basieren auf dem gleichnamigen Buch, erschienen bei edition a. b. fischer. Erhältlich ist das Buch direkt beim Verlag oder in einer Buchhandlung in Ihrer Nähe. 

28. Juli 2018 | 10:30 Auf den Spuren der Familie Mann

Literarischer Spaziergang mit Gerhard Weber | Treffpunkt: Kuhtor, Hinter der Mauer 2, 18055 Rostock [mehr]

Das Literaturhaus Rostock lädt ein zu einem literarischen Spaziergang »Auf den Spuren der Familie Mann« mit dem Fotografen und Archivar Gerhard Weber. Gerhard Weber sucht und findet die Geschichte(n) unserer Stadt in Archiven, Antiquariaten und in Gesprächen mit Zeitzeugen. Zuletzt veröffentlichte er den großartigen Text-Bild-Band »Kempowskis Rostock«. Doch nicht nur die Familie Kempowski, auch die Schriftstellerfamilie Mann hinterließ einige Zeugnisse in der Hansestadt. In den Archiven ist belegt, dass der Urururgroßvater von Heinrich und Thomas Mann, Siegmund Mann (1687-1772), im Jahr 1711 nach Rostock zog. Noch heute erzählen die von der Familie Mann gestifteten Kirchenfenster in St. Marien von einer einflussreichen Kaufmannsfamilie. Wandeln Sie auf den Spuren der Familie Mann, hören Sie interessante Anekdoten & allerhand Wissenswertes zur Stadtgeschichte, Architektur und Literatur in Rostock! Teilnahmegebühr: 5,- €
Dauer: ca. 2 Stunden Weitere Termine am:
18. August 2018
15. September 2018

20. Juli 2018 | 19:30 Wie Schriftsteller Johnson lesen – Eine literarische Geburtstagsfeier

Eintritt frei[mehr]

Am 20. Juli 2018 jährt sich Uwe Johnsons Geburtstag zum 84. Mal. Unter der Überschrift »Wie Schriftsteller Johnson lesen. Eine literarische Geburtstagsfeier« begann 2017 eine neue Veranstaltungsreihe, in der Autorinnen und Autoren dazu eingeladen werden, uns »ihren Johnson« vorzustellen. Welche Rolle spielt sein Werk für ihr eigenes Schreiben? Welche Inspiration bietet es, welche Fragen provoziert es – und vor allem: Auf welche Weise greifen die Literaten der Gegenwart die Anregungen auf? In diesem Jahr spricht die Schriftstellerin Birgit Vanderbeke – der Titel ihres Vortrags: »vom rübermachen, abhauen, übersiedeln, rausfliegen«. Danach besteht Gelegenheit zum Gespräch. Birgit Vanderbeke, geb. 1956 in Dahme/Mark, lebt seit 1993 als freie Autorin in Südfrankreich. Mit einer Probe aus ihrem Debüt »Das Muschelessen« gewann sie 1990 den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Über viele Bücher hinweg hat Birgit Vanderbeke sich als stilsichere Beobachterin der Zeitgeschichte erwiesen. Das schließt den schonungslos klugen Blick auf sich selbst mit ein: »Seit etwa zwanzig Jahren empfinde ich die täglichen Nachrichten und die rituellen politischen Talksendungen als einen Angriff auf meinen Verstand. Beide nehme ich allerdings regelmäßig zur Kenntnis.« Zwei Sätze aus dem letzten Jahr, deren Fortsetzung sich im Netz nachlesen lässt. Ort: Hausbaumhaus Rostock, Wokrenterstr. 40, 18055 Rostock Eine Veranstaltung der Uwe Johnson-Gesellschaft in Kooperation mit dem Literaturhaus Rostock.