Programmarchiv Literaturhaus Rostock

18. Februar 2019 | 20:00 Lukas Rietzschel: »Mit der Faust in die Welt schlagen«

Moderation: Linda Vogt (Lektorin der Ullstein Buchverlage)[mehr]

Das Buch der Stunde (Sächsische Zeitung) Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Auf der Bühne unterhält Lukas Rietzschel sich mit seiner Lektorin über die Entstehung des Romans, die Hintergründe seiner Arbeit und die Rezeption des Romans seit der Veröffenlichung. Eine tiefenpsychologische und zugleich literarisch stimmige Auskunft über Ostdeutschland. Seine Erzählstimme lässt Figuren lebendig werden, wie man sie in dieser erstickten Masse aus Einsamkeit, Enthausung und Empathielosigkeit zuletzt in Christoph Heins „Der fremde Freud“ gelesen zu haben glaubt. (Die Welt) Mit 24 Jahren hat Lukas Rietzschel ein bewegendes Porträt über die ostdeutsche Lebensrealität nach der Wende verfasst. Sein Debüt wurde in den Medien vielfach rezipiert und bereits mit einer Nominierung für den Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. Der Autor lebt im sächsischen Görlitz. Linda Vogt ist Lektorin bei den Ullstein Buchverlagen und Programmleiterin bei Ullstein fünf. Sie arbeitete in der Vergangenheit bereits als Lektorin bei der anderen bibliothek und List/Ullstein. Ort: Literaturhaus Rostock (im Peter-Weiss-Haus), Doberaner Straße 21 Eintritt: 6 Euro/ 4 Euro ermäßigt
Vvk. in der anderen Buchhandlung, Pressezentrum sowie unter diesem Link.

Eine Kooperationsveranstaltung von Heinrich-Böll-Stiftung M-V und Literaturhaus Rostock.

12. Februar 2019 | 20:00 Rückblick Stefan Schwarz »Als Männer noch nicht in Betten starben – die deutschen Heldensagen neu erzählt«

Lesung & Gespräch im Literaturhaus Rostock[mehr]

Am 12. Februar beschlossen viele Rostocker die Lesung von Stefan Schwarz, bekannter Journalist und Autor, zu besuchen – bis zu 230 Gäste zählte das Literaturhaus am gestrigen Abend. Stefan Schwarz las aus seinem neuen Buch »Als Männer noch nicht in Betten starben – die deutschen Heldensagen neu erzählt« (erschienen bei Rowohlt), und das wollte sich niemand entgehen lassen.

Sein Buch »Als Männer noch nicht in Betten starben – die deutschen Heldensagen neu erzählt« handelt, wie der Titel schon erahnen lässt, von fremden Ländern und alten Sagen der deutschen Zeit. Mit der feinen Spitze seines unnachahmlichen Humors und einem unverfrorenen Blick für die moralischen Ungeheuerlichkeiten dieser Texte befreit Stefan Schwarz die Heldensagen von Walledeutsch und Männertrutz. Mit unbändiger Fabulierlust und nicht ganz jugendfrei, aber der Handlung treu und frei von albernen Aktualisierungen, führt er durch die Abenteuer von Dietrich von Bern und Siegfried und Kriemhild, König Etzel und Wieland dem Schmied.

Gleich zu Beginn begrüßte Stefan Schwarz das Publikum herzlich und brachte alle mit seinem besonderen Charme zum Lachen. Für ein Facebook Bild ließ er das Publikum in einen simulierten Schlaf sinken, und riss Witze darüber, wie langweilig seine Lesung doch sein wird. Eine Aussage, mit der er garantiert falsch lag.

Nachdem er eine kurze Zusammenfassung über die Handlung zum Besten gab, ging er auf die Entstehungsphase des Buches ein: „Ich musste diesen aktuellen und schönen Stoff einfach nacherzählen – deswegen habe ich ein Update gemacht und alles mit ernsthaftem Humor verpackt“, schilderte Stefan Schwarz dem Publikum und brachte es zum Lachen.

Auf eine unglaublich charmante Art und Weise las er insgesamt fünf Passagen aus seinem Buch vor und fügte sogar noch einen extra Auszug hinzu. Vor jeder Passage erzählte er die historische Geschichte nach und untermauerte diese mit lustigen Einschüben. Er erzählte von Siegfried und Kriemhild, von Dietrich von Bern und auch von dem Zwergenkönig Laurin. Dabei verglich er viele der damaligen Taten und die Charakterzüge der Figuren mit heutigen Verhaltensweisen, um es den Zuhörer*innen anschaulicher zu machen.

In einer kurzen Pause konnte man mit ihm persönlich sprechen und er signierte einem seine Bücher. Zum Abschluss des Abends ging er auf ein weiteres seiner Bücher ein, welches im März erscheinen wird: „Der kleine Gartenversager: Vom Glück und Scheitern im Grünen“, ein Buch über umwerfend komische Weisen, wie man an der Natur verzweifeln kann und warum das Gärtnern dennoch glücklich macht.

Wir freuen uns auf ein weiteres Treffen und danken Stefan Schwarz für den angenehmen, sehr unterhaltenden Abend, den wir gerne in Erinnerung behalten! Frida Jung (Praktikantin im Literaturhaus Rostock)

05. Februar 2019 | 20:00 Steven Uhly »Den blinden Göttern« | LiteraTour Nord 2018/19

Rückblick zu Steven Uhly | Moderation Prof. Dr. Lutz Hagestedt[mehr]

Das Finale der LiteraTour Nord Saison von 2018/19 fand am 5. Februar gegen 20 Uhr im Literaturhaus Rostock statt und zog einige literatur- und lyrikbegeisterte Leserinnen und Leser an, welche an dem Abend von Emily Grunert, Programmleiterin des Literaturhauses Rostock, herzlich begrüßt wurden.
Steven Uhly, Münchner Autor und Tukan-Preisträger, las aus seinem neuen Buch „Den blinden Göttern“ (Secession Verlag) vor und kam mit dem Publikum und der Moderation durch Professor Lutz Hagestedt von der Universität Rostock angeregt ins Gespräch.

In seinem Roman steht ein gesellschaftsscheuer Buchhändler im Zentrum, welchem durch einen Unbekannten ein Manuskript mit Sonetten zugespielt wird. Der Buchhändler erkennt in den Sonetten ein Meisterwerk und folgt dem Dichter geraume Zeit später in eine Kneipe, wo er das Gespräch mit dem Genie sucht. Doch als der Dichter eines Tages bei ihm zuhause aufkreuzt, gerät seine Welt aus den Fugen. Steven Uhly beschreibt in seinem Roman, der die Gedichte tatsächlich enthält, die Schnittstelle zwischen Wahrheit und Lüge, spielt mit der Wirklichkeit und lässt offen, ob hier eine wahre Geschichte oder eine Persiflage vorliegt.

Zusammen mit Professor Lutz Hagestedt ging Steven Uhly an dem Abend auf die Entstehungsgeschichte des Romans ein, beschrieb seinen eigenen Schreibprozess bei seinen Werken und präsentierte dem Publikum einige der Gedichte aus seinem Roman. „Zuerst gab es die Gedichte. Ich wollte dem Dichter ein Denkmal setzten. Und weil mein Verleger von einem weiteren Gedichtband nicht begeistert war, entschloss ich mich, einen Roman zu schreiben“, fügte Uhly selbstbewusst hinzu, nachdem er sein favorisiertes Gedicht vorgetragen hatte.

Anschließend las er aus seinem ersten Kapitel vor, in dem er den Protagonisten präsentierte, Friedrich Keller. Er stellt ihn als kontaktscheuen Gewohnheitsmenschen dar, was er mit humorvollen Einschüben untermauerte, welche das Publikum zum Lachen brachten. Mit einem kurzen Sprung zum zweiten Kapitel des Buches beschrieb Uhly die erneute Begegnung von unbekanntem Dichter und Protagonisten, der den Dichter schlafend und streng riechend auf seiner Haustreppe findet. Friedrich Keller ist mit der Situation eindeutig überfordert, doch kann seine Begeisterung für den unbekannten Dichter nicht zurückhalten, der ihn mit offener Art gegenüber tritt und seine sonst so geordnete, unberührte Welt auf den Kopf stellt. „Den Dichter kennt man nicht und nachdem der Roman nun veröffentlicht wurde, hoffe ich, dass sich jemand bei mir meldet. Mal sehen, ob sich etwas tut“, deutete Steven Uhly an, als er davon erzählte, wie auch ihm die Gedichte auf überraschende Weise zugesteckt wurden.

„Es ist nicht die Aufgabe des Autors, das Buch zu interpretieren. Das überlasse ich meinen Leserinnen und Lesern“, setzt Uhly zum Abschluss der Lesung lächeln hinzu und rundet damit den Abend erfolgreich ab.
Wir danken Steven Uhly für das gelungene LiteraTour Nord Finale und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!

Eine gemeinsame Veranstaltung der anderen buchhandlung, der Universität Rostock und des Literaturhauses Rostock im Rahmen der LiteraTour Nord.

Frida Jung (Praktikantin im Literaturhaus Rostock)

05. Februar 2019 | 20:00 LiteraTour NORD 2018/19: Steven Uhly: »Den blinden Göttern«

Lesung & Gespräch, Moderation: Prof. Lutz Hagestedt (Universität Rostock)[mehr]

Ein Unbekannter spielt dem Buchhändler Friedrich Keller ein Manuskript mit Sonetten zu, worin dieser ein Meisterwerk erkennt. Geraume Zeit später sieht Keller den Mann auf der Straße wieder und folgt ihm in eine Kneipe, wo er das Gespräch mit dem Genie sucht. Doch als der Dichter eines Tages bei ihm zuhause aufkreuzt, gerät seine Welt aus den Fugen. Steven Uhlys Roman, der die Gedichte tatsächlich enthält, lässt in einem klugen Spiel zwischen Dichtung und Wahrheit offen, ob hier eine wahre Geschichte oder eine Persiflage vorliegt. Steven Uhly, geb. 1964 in Köln, studierte Literatur, promovierte und lehrte in Brasilien und Deutschland. Er übersetzt Lyrik und Prosa u.a. aus dem Spanischen und Portugiesischen. Für seinen Roman „Adams Fuge“ erhielt er den Tukan-Preis 2011, „Glückskind“ (2012) wurde von Michael Verhoeven verfilmt. 2015 erschien der Gedichtband „Tagebuch“. Uhly lebt in München. Ein Künstlerportrait Steven Uhlys von Hannah Genetu, Shari Jung und Jen Kurbjuweit kann man sich hier ansehen. Ort: Literaturhaus Rostock (im Peter-Weiss-Haus), Doberaner Straße 21, 18057 Rostock
Eintritt: 9,- €/7,- € erm.
Vvk.: andere buchhandlung – dort auch Kombi-Ticket (alle 6 Lesungen zum Preis von 5) Eine gemeinsame Veranstaltung der anderen buchhandlung, der Universität Rostock und des Literaturhauses Rostock im Rahmen der LiteraTour Nord.