Programmarchiv Literaturhaus Rostock

07. März 2017 | 20:00 ARTE-Filmpremiere: Sanatorium Europa

Dokumentation von Julia Benkert, ARTE/HR 2017, 52 Min.[mehr]

Mit „Sanatorium Europa“ lockte die ARTE-Filmpremiere dieses Mal in die Zeit von 1900 bis 1918. Genauer betrachtet wurden die beiden Literaten Thomas Mann und Hermann Hesse. Ihre Werke dieser Zeit wurden auf ihre historischen Kontexte hin betrachtet: Wie reagieren die Autoren auf den damaligen Umbruch und was haben Sanatorien damit zu tun? Stephan Lesker (Universität Rostock, Institut für Germanistik) führte in den Film mit einem so humorvollen wie fundierten Vortrag ein. Er sprach u.a. genauer über Zufluchtsstätten der Literaten und über deren Einfluss auf Werke wie Thomas Manns „Zauberberg“ oder Heinrich Hesses „Demian“ und den „Kurgast“. Die nachfolgende Diskussionsrunde war dafür geeignet, noch einmal Fragen zu klären. Stephan Lesker und Ulrika Rinke sprachen mit dem Publikum über die Darstellung der damaligen Zeit und den Bezug des Films zur Gegenwart: Waren die Autoren tatsächlich so kosmopolitisch und „europäisch“? Woher dann die nationalistischen Tendenzen bei Mann und anfangs noch bei Hesse?

Womit ließe sich die Institution des Sanatoriums heute am ehesten vergleichen, warum war ein Aufenthalt dort schick und nicht Schande? Wie wichtig ist die Abgrenzung von der Gesellschaft zur Selbstfindung und zur Betrachtung gesellschaftlicher Krisen?

Aber auch mit Blick auf Hesses Werke kam eine Diskussion auf: Ist Hesse nur ein Autor für Sinnsuche in bestimmten Lebensphasen? Das Publikum beteiligte sich sowohl mit Fragen als auch mit eigenen Thesen am angeregten Gespräch, auch wenn sich die Frage nach den Parallelen der damaligen Krise zur Gegenwart nicht tiefergehend klären ließ.

Den einführenden Vortrag von Stephan Lesker können Sie mit freundlicher Genehmigung des Verfassers hier herunterladen.

Eine Liste mit Literaturempfehlungen von Stephan Lesker zu Hesse, Mann und zu Zeitgeist und Krisenstimmung Anfang des 20. Jahrhunderts finden Sie hier.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Sender ARTE, Kulturpartner des Netzwerks der Literaturhäuser.

03. März 2017 | 20:00 HausLese

Die meiste Lesebühne der Welt made Rostock great again![mehr]

„Veronika, der Lenz ist da“ Die eine oder andere Blume streckt ihr hübsches Köpfchen zwar schon aus dem Winterquartier, aber so ganz möchte sich der Frühling noch nicht zeigen. Doch die Sänger, Texter und Musiker gaben sich bei der ersten HausLese des Jahres alle Mühe, die Endorphine des Publikums sprühen und den Frühling ins Haus einziehen zu lassen – mit Erfolg! Für die zahlreich erschienen Gäste wurden sogar noch zusätzliche Stühle aufgestellt, damit auch jeder einen Platz zum aufmerksamen Lauschen bekam. Auch diesmal beehrten unsere Hausleser, versorgt mit heiteren Kleinigkeiten aus dem Osternest, das Publikum mit einer Reihe sehr unterschiedlicher Texte:
Während Bernt mit t! humorvoll und dramatisch das kleine Piff vom großen Knall unterschied, slammte Anne Kalkbrenner vom Abschied und der süßen Schwere, die er mit sich bringt. Diego Hagen ließ die Frühlingsgefühle mit seinem kitschig-romantischen Bitch-Rap aufwallen, während Heiner Rühl an die Zerbrechlichkeit der Liebe und die Vergänglichkeit des Lebens erinnerte. Auch musikalisch hatten unsere Hauslesegäste einiges auf Lager. So zum Beispiel Stephan Langhans mit seiner liebenswürdigen Ode an Paul Brath – anscheinend eine Herzensangelegenheit. Oder Flojo, der mit seinem Loop-Song zum Mitschnipsen, Mitklatschen und Entspannen einlud. Begleitet und moderiert wurde der literarisch-musikalische Abend von Jens Lippert und Tobias Wolff – ein neckisches Duo, welches das Publikum mit seiner lockeren und sympathischen Art verzückte.  Wer diese Hauslese verpasst hat, kann sich schon auf’s nächste Mal freuen. Der Termin steht zwar noch nicht fest, kommt aber ganz sicher – versprochen!

01. März 2017 | 20:15 Literatur & Kritik mit Ijoma Mangold

Der leitende Literaturredakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT im Gespräch über Neuerscheinungen des Frühjahrs Moderation: Ulrika Rinke (Programmleiterin, Literaturhaus Rostock) Was für ein Abend! Zu Besuch war der...[mehr]

Der leitende Literaturredakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT im Gespräch über Neuerscheinungen des Frühjahrs Moderation: Ulrika Rinke (Programmleiterin, Literaturhaus Rostock) Was für ein Abend! Zu Besuch war der Literaturkritiker und Chefredakteur DER ZEIT Ijoma Mangold. Er gewährte uns einen kleinen Einblick in die Neuerscheinungen des Frühjahres 2017. Welche Romane und Sachbücher sind lesenswert? Welche Werke empfiehlt er besonders? Man erhielt eine fachkundige Stellungnahme und dazu einen unterhaltsamen Abend. Ijoma Mangold sprach unter anderem über die Romane von Hanya Yanagihara „Ein wenig Leben“, Karl Heinz Bohrer „Jetzt“ und Martin Suter „Elefant“, deren Inhalt er uns mit viel Leidenschaft übermittelte. Aber auch die Sachbücher kamen nicht zu kurz! Leonard Horowskis „Das Europa der Könige“ und Volker Weiß‘ „Die autoritäre Revolte“ wurden ausgiebig besprochen. Gespannt und aufmerksam verfolgte das Publikum das anderthalbstündige Gespräch zwischen Ulrika Rinke und Herrn Mangold. Die lustige, aber auch besonders informative Unterhaltung schaffte eine entspannte Atmosphäre, in der sich alle wohl fühlten. Mit Witz beschrieb Ijoma Mangold den Ehrgeiz des Literaturkritikers, interessante Debütanten zu entdecken, gestand aber, dass er in diesem Jahr noch keine Debüts gelesen hat – das könne daran liegen, dass man sich eben gern in der Literatur wiederfinde und er sich mit inzwischen fast 46 Jahren gern den Werken von Schriftstellern widme, die ebenfalls nicht mehr in ihren Zwanzigern seien. Nach der Vorstellung der Bücher hatte das Publikum die Chance, weitere Fragen zu stellen. Es war ein Abend, der bei vielen Teilnehmern nicht in Vergessenheit geraten wird!                                                                             Jessica Socha